Tamara Sennrich ist eine sensible Kämpferin, die sich vieles in ihrem Leben hart erarbeitet hat. Seit drei Jahren wohnt sie alleine und seit Frühling 2020 sogar endlich in einer Wohnung die ihr passt, in der sie «mega happy» ist. Dass die 31-Jährige dies geschafft hat, ist keine Selbstverständlichkeit, denn Tamara Sennrich wurde mit einem Hydrocephalus geboren und leidet seit elf Jahren an Depressionen. Sie wird deshalb begleitet von der Psychiatrie-Spitex und Pro Infirmis. Vor einem Jahr hat sie einen Selbstvertretungskurs gemacht und gelernt, für sich und ihre Rechte einzustehen.

Gerade als sie sich das Leben und ihre Tagesstruktur so eingerichtet hatte, wie sie sich wohlfühlt, mit sportlichen Aktivitäten wie Fitness, Velofahren und Schwimmen sowie Freunde treffen, einem freiwilligen Engagement beim Kindertreff des Aargauer Roten Kreuzes in Suhr, Deutschunterstützung für Kinder mit Migrationshintergrund und Aktivitäten in der Kirche, hat das Corona-Virus das Leben der jungen Frau durcheinander gebracht und sie in eine Krise gestürzt. Ihre vielen Freizeitbeschäftigungen sind grösstenteils weggefallen, das Sozialleben ist eingeschränkt, Tamaras Unterstützung wird derzeit kaum gebraucht. Sie fühlt sich überflüssig und geht nicht mehr gerne hinaus. Denn Tamara Sennrich, die auch Asthmatikerin ist, fühlt sich unwohl mit der Maske und findet, dass das gesellschaftliche Leben komisch geworden ist. Jetzt in dieser Zeit für sich und ihre Rechte einzustehen, empfindet sie als grosse Herausforderung, denn im Jahr 2020 ist vieles fremdbestimmt. Sie wünscht sich, dass die Gesellschaft mehr auf die Bedürfnisse von beeinträchtigten Menschen eingeht, sie bei Entscheiden einbezogen werden und die Dinge nicht über ihren Kopf hinweg bestimmt werden.

Trotz aller Belastungen und Einschränkungen steckt sie jedoch nicht den Kopf in den Sand. Sie, die bereits so viele Hindernisse überwunden hat, hofft, dass sich die Zeiten bald wieder ändern. Und sie weiss, dass sie auch aus diesen Erfahrungen etwas lernen und für ihren weiteren Lebensweg mitnehmen wird. Zuversicht und Kraft geben ihr der Glaube an Gott, mit dem sie in schwierigen Situationen Zwiegespräche führt, aber auch ihre Kolleginnen und Freunde sowie die Mitarbeitenden und Kinder des Rotkreuz-Kindertreffs in Suhr. Denn Tamara Sennrich liebt Kinder über alles. Darum hat sie vor einigen Jahren beim Aargauer Roten Kreuz den Babysitter-Kurs 18+ und den Notfallkurs für Kinder absolviert. Dadurch kam sie auch zum Rotkreuz-Kindertreff, eine Tätigkeit, die ihr grosse Freude macht. Sie erhält viele positive Rückmeldungen vom Team und den Kindern. So viel Wertschätzung hat sie vorher bei ihrem geschützten Arbeitsplatz in der Hauswirtschaft eines Betriebs nie erhalten. «Das Gefühl gebraucht zu werden tut gut. Ich liebe es beim Roten Kreuz und ich bin dem Team extrem dankbar. Wenn ich dort bin, kann ich alles, was derzeit so belastend ist, vergessen. Wenn ich nach Hause komme von der Arbeit mit den Kindern, bin ich mit Liebe und Wertschätzung erfüllt», beschreibt Tamara Sennrich den Einfluss auf ihr Leben und ihr Wohlbefinden. Und bereits besteht die Aussicht, dass sich ihre berufliche Zukunft weiter in diese Richtung entwickelt.

Tamara Sennrich

 

Link zu den Radiobeiträgen Eröffnung Berner Aktionstage psychische Gesundheit.

https://www.psychische-gesundheit-bern.ch/de/aktionstage/?navid=369380369380