Meine erste Vorlesung in meinem Studium beginnt morgens um 8:00 Uhr. Den Wecker habe ich um 6:45 Uhr gestellt. Aufgestanden bin ich um 7:55 Uhr und sitze nun im Schlafanzug am Laptop und versuche meiner Vorlesung zum Thema «Strategieentwicklung auf Unternehmensebene» zu folgen. Im Nebenraum höre ich meine Mitbewohnerin dasselbe tun. Meine Konzentration schwindet, mache mir einen Kaffee, checke das Handy und denke darüber nach, was ich zum Mittagessen kochen könnte. Meine Aufmerksamkeit lenkt sich wieder auf das Zoom Meeting in welcher meine Kommilitonen und mein Dozent gespannt auf meine Antwort warten, auf eine Frage, welche ich weder mitbekommen noch verstanden habe.

Ich erhalte eine Push Meldung auf dem Handy von 20minuten zu den neusten Corona Fallzahlen. Wird nicht besser, schlimmer sogar, jeden Tag. Die Benachrichtigung von einer neuen E-Mail leuchtet auf. «NEUE SCHUTZMASSNAHMEN», von meinem Arbeitgeber des Teilzeitjobs. Ich überfliege diese, alles bleibt gleich, nur der Tonfall wird strenger.

Am Ende des Tages falle ich ins Bett. Nicht müde, nicht erschöpft, sondern nachdenklich. Wieso kann ich mich nicht mehr Konzentrieren? Schaffe ich es morgen früher aufzustehen? Worauf kann ich mich freuen in nächster Zeit? Auf diese Fragen habe ich genauso wenig eine Antwort wie auf jene am Morgen in der Vorlesung. 

Wir alle haben langsam Übung im zu Hause bleiben, Homeoffice und Abstand halten. Doch was es zurzeit für die meisten unendlich schwierig macht, dies motiviert durchzuführen, ist die mentale Gesundheit, die farbenfrohe und Abwechslungsreiche Lebensgestaltung, welche zum grössten Teil eingeschränkt oder gar abhandengekommen ist.

Viele wenden sich an ihre nächsten Angehörigen wie Familie, Freunde und Bekannte. Das tut gut, sich austauschen und das Leid, welches wir alle tragen teilen. Wir werden verstanden und merken, dass wir nicht alleine sind.

Doch was ist, wenn wir keine Angehörigen erreichen können oder unser Leid so gross wird, dass wir dieses nicht mehr tragen können?

Wenn im Chaos zu Zeiten von Corona, Homeoffice und social distancing gar keine Struktur mehr gefunden werden kann oder morgens der Gang aus dem Bett zu einer zu grossen Last wird, sollten Sie weiter nicht zögern professionelle Hilfe aufzusuchen. Die derzeitige Situation kann sehr belastend werden und es darf nicht unterschätzt werden, was diese Massnahmen für einen Einfluss auf die Psyche haben können.

Der Verein «GLEICH UND ANDERS Schweiz» soll nicht nur Projekte verwirklichen und seine Aufgabe gegen aussen tragen, er soll auch seinen Mitgliedern und nicht Mitgliedern eine Anlaufstelle bieten. Als eine Gemeinschaft wollen wir uns gegenseitig Mut machen können, in genau solchen schwierigen Situationen. Verein Dafür hat der Verein eine Rubrik auf der Webseite.

Im Namen der dort aufgeführten Personen und des gesamten Vereins wollen wir damit eine Möglichkeit bieten, bei welcher wir uns begegnen können. Sich mitteilen zu können ist unendlich wichtig und schon ein kurzes Gespräch kann viel bewirken. Auch wir haben keine Musterlösung wie wir gemeinsam durch diese Krise kommen oder was die nächsten Schritte sein sollen.

Nadia Koch, Vorstandsmitglied

 

Link zu den Radiobeiträgen Eröffnung Berner Aktionstage psychische Gesundheit.

https://www.psychische-gesundheit-bern.ch/de/aktionstage/?navid=369380369380