Es soll ja immer noch Menschen geben, die meinen, dass man als IV-Rentner auf der faulen Haut liegen kann. 
Dem möchte ich mit diesen Zeilen gerne entgegen halten.
Ich würde behaupten, ich habe genauso viel zu tun, wie jemand, der 8 Stunden Erwerbsarbeit ausübt; meine tägliche Beschäftigung ist einfach unbezahlt.
Zudem ist mein persönliches Schicksal nicht selbst gewählt, sondern liegt in meiner Person, meinen Genen, meiner Sozialisation bedingt.
So viel zu Vorurteilen.
Ich leide unter Depressionen und habe eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit zwanghaft-ängstlich vermeidenden und abhängigen Zügen..
Ich mache derzeit eine halbjährige Ausbildung in sozialer Betreuung in Bern, die noch bis Ende August diesen Jahres dauert. Diese befähigt mich und 13 weitere Teilnehmer, Besuche bei meist älteren betagten, und behinderten Personen auszuführen. Die unterschiedlichsten Menschen werden besucht, teils mit Demenz, teils mit kognitiven oder psychischen Beeinträchtigungen.
Wir Besuchende lernen in dieser Ausbildung, wie man auf die verschiedensten Krankheitsbilder der Kunden zugeht und was man mit den Kunden bei diesen Besuchen machen kann. Dies geht von vorlesen, diskutieren, über spazieren, einkaufen, basteln, musizieren, Besuche in Zoos oder Museen, bis zu Schach spielen, malen oder Haushalthilfe.
Die Ausbildung beinhaltet zwei bis vier Lektionen pro Tag, meist an vier Tagen der Woche.
Mit dem Weg nach Bern und zurück sind das bei 4 Lektionen meist 9 Stunden, die ich von zuhause fort bin.
Eine weitere grosse Aufgabe ist der wöchentliche Besuch bei meinem betagten und kranken Vater, der im August 95 Jahre alt wird. Es sieht leider nicht danach aus, dass er noch lange zu leben hat. Das letzte Mitglied unserer Kleinfamilie….
Danebst habe ich einen Kater, den ich betreue und der mir viel Freude bereitet, aber auch Verantwortung mit sich bringt.
Als Einpersonenhaushalt habe ich sämtliche Arbeiten, die im Haushalt anfallen, selbst zu erledigen. (Waschen, Einkaufen, Putzen, Administratives, etc. etc).
Nebenbei habe ich Termine bei Psychologe, Psychiatrie-Spitex und Psychiater, die ich meist auf den freien Tag am Mittwoch legen muss. (Für jene, die denken, dass sei viel; nur ein Psychiater/Arzt darf Medikamente verschreiben).
Für einen Ausgleich gönne ich mir soweit möglich ein Bad im Thunersee.
Zudem bin ich sehr am Zeitgeschehen interessiert, was auch ca. 1-2 Stunden pro Tag am Handy lesen bedeutet.
Zum Bücherlesen komme ich praktisch nicht mehr, obwohl ich eine grosse Leseratte bin und noch ca. zehn Bücher darauf warten, gelesen zu werden. Ebenso wenig komme ich zum entspannten Hören von CD’s, von denen auch mindestens zehn auf ein erstes Hörerlebnis warten.
1-2x pro Monat spiele ich Tennis im Tennisclub Oberhofen.
Mein Alltag ist also voll ausgefüllt; keine Spur von Langeweile, Müssiggang oder Zeit zum Faulenzen…..